Leichtathletik- und Breitensportverein Achern 

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Aktuelles

Ehrung für 20 Jahre Vereinsmitgliedschaft

Christian Schmitt aus Offenburg-Weier wurde anlässlich der 20-jährigen Mitgliedschaft in der Behindertensportgruppe beim LBV Achern geehrt. Übungsleiterin Heike Schwenk hat in einer kleinen Laudatio die erbrachte Leistung von Christian Schmitt und dessen Eltern in dieser Zeit hervorgehoben. Zur Schar der Gratulanten zählte auch Oberbürgermeister Klaus Muttach während seines Besuchs bei der Behindertensportgruppe. Bei dieser Gelegenheit konnte sich Herr Muttach durch die aktive Teilnahme an einer Übungseinheit einen Einblick in die Arbeit der Trainingsleitung verschaffen.

Vor 2 Jahren feierte die Behindertensportgruppe still und leise ihr 30-Jähriges bestehen. Schon 1981, als es den Begriff „Inklusion“ noch nicht gab, begann der LBV Achern in Zusammenarbeit mit der „Behinderten und Nichtbehinderteninitiative Achern '81 e.V. eine Plattform aufzubauen, die ein gemeinsames Trainieren und miteinander Leben ermöglichen sollte. Heute ist sie die einzige Sportgruppe in der gesamten Ortenau, die ein so breitgefächertes Angebot für alle Arten und auch Schweregraden von Behinderungen bereitstellen kann. Dafür erhielt der LBV Achern im letzten Jahr den Bridge-Preis der Lebenshilfe Baden-Württemberg.

 

Kurzbericht zur Ehrung "Bridge-Preis 2013"

Vor 31 Jahren hat der LBV Achern eine besondere Trainingsgruppe gegründet, die in Kooperation mit der „Behinderten und Nichtbehinderten Initiative Achern 80 e.V.“ für behinderte und nicht behinderte Menschen eine gemeinsame Sportmöglichkeit bietet. Im Vordergrund stand die Integration von behinderten Menschen in die „normale“ Gesellschaft, bzw. der Gesellschaft die Scheu vor Behinderung zu nehmen.

Das Projekt startete so erfolgreich, dass die Behindertengruppe mit nun über 40 Teilnehmern einen festen Platz im Verein und in der Region bekommen hat. Die fachlich qualifizierte Trainingsarbeit wird durch die ausgebildete Heike Schwenk (Motopädin, Übungsleiterin) garantiert, die seit Jahren das Training leitet. Sie wird unterstützt durch Lioba Zimmer (Übungsleiterin für den Behindertensport). Im Sinne der Psychomotorik werden die Stundeninhalte so gewählt, dass der Spaß und das Erleben der eigenen Fähigkeiten im Vordergrund stehen.

Die Sportstunden gliedern sich in einen Erwärmungsteil der Dehnungs- und Kräftigungsübungen beinhaltet. Daran anschließend werden Übungen und Spiele angeboten, die sich an den Interessen und Fähigkeiten der einzelnen Teilnehmer orientieren. Der Schluss der 90 Minuten dauernden Sportstunde beinhaltet Entspannungsübungen. Einige behinderte Sportler trainieren aus persönlichem Ehrgeiz zusätzlich bei den jungen Wettkampfsportlern mit. Dabei zeigt sich besonders, wie sehr diese beiden eigentlich unterschiedlichen Sportgruppen miteinander verwachsen sind. Es gibt vom Trainer keine „Vergünstigungen“, jeder trainiert mit, so gut es geht. Lohn für die Arbeit sind erfolgreiche Teilnahmen bei verschiedensten Wettkämpfen bis hin zu den Special Olympics im Vergangenen Jahr in München.

Menschen mit Behinderung in das „normale“ Leben zu integrieren ist möglich. Heike Schwenk, Lioba Zimmer und Renate Bürkle beweisen dies seit 30 Jahren jeden Tag aufs Neue. Sie geben diesen Menschen beim LBV Achern ein zweites Zuhause. Für ihre Arbeit wurden Sie und der LBV Achern im Rahmen einer Festveranstaltung in der Stadtbibliothek in Stuttgart mit dem Bridgepreis 2013 geehrt. Zu diesem Anlass fuhr die Behindertensportgruppe und weitere Mitglieder des Vereins am vergangenen Dienstag gemeinsam nach Stuttgart, um den Preis entgegen zu nehmen. Die Laudatio hielt Dieter Hauswirth, Geschäftsführer der Paul-Lechler-Stiftung in Ludwigsburg. Er betonte die langjährige Arbeit des Vereins mit behinderten Menschen als herausragendes Beispiel für aktives Engagement.

Der Bridgepreis wird alle 2 Jahre von der Lebenshilfe Baden-Württemberg für Dienstleister, Städte und Gemeinden sowie Öffentlichen Vereinen vergeben, die sich in besonderer Weise um die Integration von Menschen mit Behinderung verdient gemacht haben. Die Thematik wechselt jedes mal. Der LBV Achern wird in der Kategorie 3, Öffentliche Vereine, für sein langjähriges und fundiertes Engagement geehrt. Großer Dank geht dabei an die hauptverantwortlichen Frauen für ihre großartige Arbeit.

 

"Das Motto heißt: Jeden Tag kämpfen"

Aufopferungsvoll pflegende Mutter eines tetraspastisch gelähmten Kindes bekommt Bundes-Verdienstmedaille
(aus ABB, Dienstag 03.03.09, von Gertrud Siefke)

Offenburg: Bei den Schmitts ist schon lange nichts mehr wie früher. In der Küche steht ein spezieller Heimtrainer. Im Gang stößt man auf einen so genannten Stehbarren, der es spastisch gelähmten Menschen ermöglicht, aufrecht zu essen. Christians Zimmer ist mit Sprossenwand, Therapiebahnen und weiteren Gerätschaften ausgestattet. Das Bad ist behindertengerecht ausgebaut. Im einstündigen Gespräch fällt das Wort "behindert" allerdings lediglich im Zusammenhang mit der Schule, die Christian einige Jahre besucht hatte, die Schule für Körperbehinderte in der Platanenallee in Offenburg.

Mutter Mechthilde spricht von "Christian", von "meinem Schatz" und davon, dass "wir ein tetraspastisch gelähmtes Kind" haben. Tetra kommt aus dem Griechischen und heißt vier. Von Tetraspastik ist die Rede, wenn alle vier Extremitäten, Arme und Beine, betroffen sind. Zehn Monate nach der Geburt war klar, dass sich Christian nicht so entwickelte wie andere Kinder. "Körperlich war er weit hintendran", schildert die Mutter die Situation. Das war vor 30 Jahren. Seither heißt das Motto für sie: "Jeden Tag kämpfen." Für diesen Kampf erhält die 57-Jährige jetzt die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Diese Anerkennung ist für die Mutter etwas ganz Besonderes – vielleicht gerade deshalb, weil sie sich die ganze Zeit selbstverständlich um ihren Sohn gekümmert hat: "Ich habe mir gar nichts gedacht dabei." Er ist ihr Lebensmittelpunkt. Wenn es Christian gut geht, wenn er sein tief glucksendes Lachen lacht, weiß sie, dass sich ihr ganzer Einsatz gelohnt hat: "Ich bin glücklich darüber, dass ich es machen darf." Solange sie hier auf Erden sei, wolle sie es tun, auch wenn sie weiß: "Ich brauche Kraft wie ein Bär."

Mechthilde Schmitt mit ihrem 30-jährigen Sohn Der Tag von Mechthilde Schmitt beginnt um 5.30 Uhr. Um 6 Uhr erhält ihr Sohn eine leichte Massage. Dann geht es ins Bad. Sein Frühstück nimmt der junge Mann am Stehbarren ein, das Schlucken fällt ihm schwer, seine Mutter füttert ihn. Dann ist eine gute Stunde Turnen angesagt, Bewegungsübungen stehen auf dem Programm, damit sich die verkrampfte Muskulatur lockert. Mit Hilfe eines "Powertalker", über den sich gespeichertes Vokabular abrufen lässt, vermag sich Christian zu verständigen. Inzwischen kann er selbst mit einem Finger auf einer großen Tastatur schreiben; Kopfrechnen war schon immer seine Stärke. "Es gibt Fortschritte", freut sich die Mutter, die freilich weiß, dass sie am Ball bleiben muss: "Wenn ich aufgebe, geht die ganze Entwicklung zurück."

Nachmittags fährt Christian mit einem umgebauten Fahrrad acht Kilometer durch die Gegend, seine Mutter läuft nebenher und hält ihm eine Hand, die sich sonst unkoordiniert bewegen würde. Dieser Anblick ist den Bewohnern von Weier vertraut: der Christian auf dem Fahrrad mit seiner Mutter. Nur am Sonntag gibt es nicht das volle Programm.

Mechthilde Schmitt hat nie daran gedacht, ihren Sohn in ein Heim zu geben: "Ich kann nie von anderen mehr verlangen als von mir." Nicht einmal genauso viel. Durchschlafen ist ein Fremdwort. Ihr zur Seite stehen Ehemann Manfred, der als geschickter Heimwerker manch wertvolles Hilfsmittel angefertigt hat, und Tochter Annette (37), die regelmäßig vorbeischaut. Mit zäher Ausdauer hat Mechthilde Schmitt unglaublich viel erreicht, wobei für sie klar ist: "Für mich darf ich keine Zeit haben." Steht ein Festbesuch an oder soll es in den Urlaub gehen, ist Christian immer dabei: "Er ist die Hauptperson." Als empfohlen wurde, Christian in ein Gipsbett zu legen, hat sie sich erfolgreich dagegen gewehrt, indem sie das tägliche Übungsprogramm erhöht hatte. Viele Ärzte wurden konsultiert, bis in die Ukraine zu einem ausgewiesenen Fachmann gingen die Fahrten. Bis heute hilft die unermüdliche Fürsorge der Mutter am meisten.

Die Ehrung für diese Fürsorge erfolgte am 3. März 2009 durch OB Edith Schreiner im Ökumenischen Gemeindezentrum.